Bauzeit
2010 – 2011
Ausgangslage/Standort
Prägend für das Naturschutzzentrums ist seine Lage am Rand des Pfrunger-Burgweiler Ried, dem zweitgrößten Moorgebiet in Südwestdeutschland. Kulturgeschichte, Geologie und Naturkunde dieses besonderen Lebensraums werden seit über 15 Jahren mit großem Erfolg im bestehenden Naturschutzzentrum des Schwäbischen Heimatbundes vermittelt. Umwelt- und Naturpädagogik stellen den Arbeitsschwerpunkt dar. Die vorhandenen Räumlichkeiten genügten dem Ansprüchen und den Erfordernissen eines solchen Zentrums seit längerem nicht mehr. Unabhängig von einer möglichen Realisierung sollten im Rahmen einer Konzeptstudie die Entwicklungsmöglichkeiten des bisherigen Naturschutzzentrums geprüft werden.
Konzeption
Die Konzeption arbeitet mit verschiedenen Modulen, die zeitlich gestaffelt realisiert werden. Alle Zwischenschritte müssen städtebaulich, architektonisch und organisatorisch als vollwertige Lösung funktionieren. Der Betrieb ist auch während der Bauphasen zu gewährleisten.
Im Rahmen des Konjunkturpaktes II konnten zwei von drei geplanten Modulen gebaut werden. Alle Anschlüsse für die möglichen Erweiterungen werden vorgehalten.
Jedes Modul ist ein selbständiger Gebäudeteil, der sich um den Foyerbereich gruppiert und von dort erschlossen wird. Die Gebäudeteile sind entsprechend ihrer Funktion in der Höhe gestaffelt. Das Ausstellungsgebäude dominiert die Anlage. Durch die Gruppierung ergeben sich Außenräume mit unterschiedlicher Qualität und Funktion. Diese sind durch die offene Fassadengestaltung eng mit dem Innenraum verbunden.
Erscheinungsbild
Die Lage und die Funktion des Gebäudes legten die Ausführung als Holzkonstruktion nahe.
Als ideelles Vorbild dienten die im direkten Umfeld noch vorhandenen Torfstecherhütten. Gebäude mit einfacher Grundriss- und Aufrissfigur, mit einer einfachen offenen Holzkonstruktion und mit minimalen, Materialeinsatz, größtenteils in Zweit- und Resteverwendung.
Diese Gebäude werden durch Gestaltung und natürliche Materialalterung Teil der Landschaft und besitzen eine besondere Haptik.
Dieser Gestaltungsansatz sollte mit zeitgemäßen Mitteln und im Einklang mit den Anforderungen eines modernen Besucherzentrums umgesetzt werden.
Material / Konstruktion
Die Konstruktion ist auf einem 60cm x 60cm Grundraster aufgebaut.
Träger und Stützen sind von den flächigen Bauteilen abgerückt. Ein umlaufender horizontaler Riegel hält die Fassade und die Außenwände auf Abstand zur Konstruktion. Das Dach schwebt auf Koppelpfetten über den Bindern. Alle konstruktiven Ebenen und Strukturen sind konsequent getrennt und geschichtet. Dies wird an den Dachrändern und im Innenraum sichtbar und prägt den Raumeindruck und die Detailpunkte.
Zur Betonung des Daches wird dieses über ein umlaufendes Glasoberlicht von den geschlossenen Wandteilen gelöst. Den Erfordernissen des konstruktiven Holzschutzes wurde durch weite Dachüberstände und Fassadenprofilierung entsprochen.
Auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften wurde Weißtanne als Konstruktionsholz gewählt und roh eingebaut. Weißtanne wurde auch für den Innenausbau und die Einbaumöbel verwendet.
Holz prägt auch die Fassadengestaltung. Die Pfostenriegelfassade wurde in Weißtanne ausgeführt. Die geschlossenen Wandteile sind in Tafelbauweise ausgeführt und raumseitig mit rohem Weißtannentäfer verkleidet. Die Außenfassade ist eine offene Fichtenholzschalung mit Waldkante.
Technik- und Raumkonzept
Auf Technik wurde wenn möglich verzichtet. Das Gebäude wird natürlich gelüftet und belichtet. Passive Maßnahmen zur Gebäudekonditionierung wurden bevorzugt. Alle Räume außer den Sanitärräumen sind Tageslichträume. Das Gebäude wurde so gestellt, dass Dachflächen, geschlossene Fassadenteile und der angrenzende Wald eine ausreichende Beschattung sicher stellen. Die hohen Räume ermöglichen eine effektive Querlüftung.
Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über Geothermie und Wärmepumpe. In allen Räumen ist Fußbodenheizung verlegt, wenn möglich als sichtbarer Heizestrich. Eine Photovoltaikanlage wurde in die Dachfläche integriert.
Projektdaten:
Bauzeit: 2010-2011
BRI: 3.068 m³
BGF 590m²
Bauherr:
Schwäbischer Heimatbund e.V.
Weberstraße 2
70182 Stuttgart
Generalbevollmächtigter Bauherrnvertreter:
Gemeinde Wilhelmsdorf
Saalplatz 7
88271 Wilhelmsdorf
Architektur:
architekturlokal
Wolfgang Selbach + Jürgen Kneer
Eisenbahnstraße 17
88212 Ravensburg
Tragwerksplanung:
Büro Bernauer und Pfoser, Ingenieure für Bau- und Vermessungswesen
Herr Rolf Bernauer
Jakob-Reutlinger-Straße 2
88662 Überlingen






















































